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Die Webseite für den slowakischen Motorroller Tatran 125

Jugend & Technik

Das ist ein Beitrag aus der Zeitschrift „Jugend & Technik“ Ausgabe 10/1965, welcher mir von Teddy zur Verfügung gestellt wurde. Zur besseren Lesbarkeit wurde auf ein Scan verzichtet und der Text hier übernommen. Dieser Artikel aus dem Jahre 1965 gibt ein Überblick zu den Veränderungen gegenüber dem Manet S125.

Jugend_und_Technik_1969

Ein neuer Motorroller aus der CSSR – TATRAN 125

Genau alle sechs Minuten wird die geräuschvolle Arbeitskulisse in der großen Montagehalle von einem warnenden Sirenenton unterbrochen – und wie von Geisterhand gelenkt, bewegt sich das Fließband um einen Arbeitstakt weiter. Aus den Hunderten von Einzelteilen, die in Griffnähe der Bandarbeiter zur Montage vorbereitet sind, entsteht in wenigen Minuten ein funkelnagelneuer Motorroller – ein „Tatran 125″.Mit einem der 18 jungen Leute, die für die Endmontage dieses jüngsten Kindes der slowakischen Maschinenfabrik „Povazska Strojarne” verantwortlich zeichnen, unterhielten wir uns in einer Bandpause über die Entwicklungsgeschichte des neuen Rollers.

Er erzählte uns, daß in Povazska Bystrica bereits seit 1947 Motorfahrzeuge hergestellt werden. Damals baute man in der ehemaligen Munitionsfabrik eine 90-cm3 – Maschine, die in den CZ Werken entwickelt wurde. Bis zur Produktionsaufnahme des Kleinmotorrades “Jawa 550″, die 1955 begann, wurden über 30.000 Motorräder des Typs “Manet 100″ (90cm3) produziert.

Dabei gehörte die Slowakei vor dem Krieg zum unterentwickeltsten Teil der Tschechoslowakischen Republik. Noch im Jahre 1937 war hier das Verhältnis der landwirtschaftlichen zur industriellen Produktion 64 zu 34 Prozent. 1958 bereits hatte sich dieses Verhältnis stark zu Gunsten der Industrie verbessert. Die Industrieproduktion machte 72 Prozent der gesamten Bruttoproduktion aus. Und in diesem Jahre auch konnte das erste in der Slowakei entwickelte Kraftfahrzeug in die Serienproduktion gehen. Seitdem exportiert das Werk „Povazjka Strojarne” seine Zweiräder in 77 Länder der Erde.

Zwar war der „Manet 100″ ausschließlich für den Stadtverkehr konstruiert, doch in kurzer Zeit bewährte sich der kleine Roller auch auf großen internationalen Reisen. Die größte Reise, die er machte, war die Durchquerung der Wüste Sinai ohne jegliche technische Störungen. Um den Roller jedoch auch für die große Motortouristik reif zu machen, entschloß man sich im Werk, Motorleistung und Hubraum zu erhöhen. Nachdem das Fahrzeug im vergangenen Jahr unter der Typenbezeichnung „Manet S 125″ mit einem 125-cm3-Motor gebaut wurde, begann das Werk Anfang dieses Jahres mit der Serienproduktion einer grundsätzlich überarbeiteten Konstruktion – des „Tatran 125″.

Triebwerk

Das neue Triebwerk verfügt über einen 123,15-cm3-Einzylinder-Zweitaktmotor mit Umkehrspülung. Der Motor ist gebläsegekühlt. Bei einer Verdichtung von 7,2 und einer maximalen Motordrehzahl von 5300 U/min leistet er 7 PS/DIN. Bohrung: 56 mm. Hub: 50 mm, Gegenüber dem „Manet S 125″ hat die Kurbelwelle eine verstärkte Zapfenlagerung erhalten. Das Pleuel wurde nadelgelagert und das Luftgebläse verstärkt. 

Beibehalten wurden die 12-V-Dynastartanlage und das Schaltgetriebe. Die Sekundärkette vom Getriebe zum Hinterrad wurde auf 5/16 Zoll verändert und erreicht nunmehr in ihrer Leistung und Stabilität das Niveau „ausgereifter” Motorräder. Der Vergaser des neuen Motors ist mit einem Startvergaser und mit einem Luftfilter ausgerüstet, der mit einer Mikro-Papierfilterpatrone bestückt ist.

Fahrgestell

Gänzlich konstruktiv überarbeitet wurde das Fahrgestell des Rollers. Während früher Stahlrohr mit einem rechteckigen Profil verwendet wurde, wird jetzt ein Rahmenrohr mit rundem Querschnitt (55 X 2 mm) benutzt. Als erstes tschechoslowakisches Einspurfahrzeug verfügt der „Tatran 125″ über wartungsfreie Lagerstellen für die Zapfen der vorderen und hinteren Schwinggabeln. Die Federung erfolgt wie bisher durch eine zentrale Vorderradfederung, also eine Schraubenfeder und einen Teleskopstoßdämpfer am Gabelkopf, und eine langarmige Hinterradschwinge mit Schraubenfeder und Teleskopstoßdämpfer in der üblichen Bauart. 

Die für Motorroller relativ großen Drahtspeichenräder (14 Zoll), verleihen dem „Tatran 125″ Fahreigenschaften, wie wir sie sonst nur bei Motorrädern finden. Das Fahrzeug ist damit auch im Gelände sehr wendig und einsatzfreudig. Die Bremsanlage wurde im wesentlichen vom „Manet S 125″ übernommen. Die Legierung der Bremstrommeln hat eine neue Zusammensetzung, so daß ein Ausreißen der Drahtspeichen nicht mehr so leicht möglich ist, wie beim „Manet S 125″. Die Radlagerstellen wurden besser abgedichtet, um die Lager mehr vor Nässe und Straßenschmutz zu schützen. Die Kabel der elektrischen Anlage sind zum großen Teil in den Rahmenrohr verlegt worden.

Karosserie

Durch die Neugestaltung der haupt- sächlichsten Karosserieteile hat der „Tatran 125″ gegenüber seinem Vorgänger wesentlich gewonnen. Allerdings harmonieren die strengen Karosserie- formen der Hinterhaube und des vorderen Schutzbleches nicht ganz mit den runden Formen der Scheinwerferverkleidung und der Knieschutzbleche. An beiden Seiten der Motorhaube finden wir große „Schnapp- türen“, die das Herunternehmen der Haube bei kleineren Wartungs-, Einstell- und Reparaturarbeiten überflüssig machen. Der Batterie- und Werkzeugkasten befindet sich hinter der Spritzwand. Zur Serienausstattung des Rollers gehören eine aerodynamisch gut gestaltete Windschutz- scheibe aus Kunstglas, eine leistungsstarke vierteilige Blinkanlage und ein Koffer- träger.

L. Lehky/F. Hoppe


 

  1. Tatran 125 Baujahr 1965
  2. Tatran im Sessellift auf dem Wege vom Fließband zum Rollerprüfstand. 70 „Tatran“ – Roller nehmen in Povazska Bystrica täglich diesen Weg. Dazu kommen die Kleinstroller „Jawa 05-Ideal“
  3. Testfahrer und Versuchsmechaniker Rudolf Huncik (26) „trieselt“ den Roller im Mala-Fatra-Gebirge über eine Geröllstrecke, die von einem Gebirgsbach durchzogen wird.
  4. Einfach in der Bedienung,wenige Bedienelemente erleichtern die Konzentration beim Fahren.
  5. Innenleben und Hinterradfederung des neuen Rollers. Interessant ist ein internationaler Leistungsvergleich:“Tatran 125″ 7PS; „Guzzi 125“ 7PS; „Zündapp 125“ 7PS; „Vespa 125“ 4,6PS; „Lambaretta“ 5,5PS (alle gleiches Hubvolumen wie Tatran).

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