Tatran.net

Die Webseite für den slowakischen Motorroller Tatran 125

Restauration meines Tatran S125 TYP-03A

Zur Vorgeschichte

Ich muss zugeben, dass ich bis zum Jahre 2003 nicht einmal wusste was ein Tatran ist und wie er aussieht. Von Erzählungen her wusste ich nur, dass mein Vater mal einen hatte. Nun kam ihm die Idee sich einen sogenannten Tatran wieder zu zulegen und beauftragte mich bei eBay mal nach so einem Teil zu suchen. Leider war dieses doch sehr schwer, da sich dieser Roller wirklich sehr rar machte und zum damaligen Zeitpunkt keiner zum Verkauf stand.

So setzte er eine Anzeige in die örtliche Tageszeitung „Suche Tatran“ und bekam sogar Resonanz. Angeboten wurden Tatrans in der Spanne von 100,- Euro bis 400,- Euro. Er entschied sich natürlich für das preiswerteste Angebot und erstand nach zähen Verhandlungen ein Tatran für ca. 90,- Euro.

Dieser Tatran befand sich noch im Originalzustand und machte auf mich einen erbärmlichen Eindruck. Faszinierend für mich war aber diese einfache Technik und so lernte ich schnell meine Liebe zu diesem Gefährt kennen.

Um diesen Tatran soll es aber in diesem Portrait nicht gehen. Es sollte nur die Zusammenhänge etwas transparenter darstellen.

Der Kauf

Fasziniert von den ersten Eindrücken eines Tatran hielt ich nun ständig Ausschau nach benötigten Teilen und stöberte fast täglich im Internet herum.

Eines Tages war bei eBay ein Angebot, wo ein zerlegter, fast kompletter Tatran angeboten wurde. Aus früheren Erfahrungen wusste ich, dass man nie genug Ersatzteile haben kann und entschloss mich mein Gebot abzugeben. Wie es so schön bei eBay heißt 3-2-1 meins, hatte ich doch tatsächlich dieses Schnäppchen gemacht und beauftrage meinen Vater unsere neue Errungenschaft abzuholen.

Als ich nun diese ganzen Teile so liegen sah, kam mir der Gedanke, dass es doch als Teileträger viel zu Schade wäre und man ja zum üben und Erfahrungen sammeln dieses Häufchen Eisen zum Leben erwecken kann.

Vorarbeiten

Um von bösen Überraschungen verschont zu bleiben, wurde erst einmal eine gründliche Bestandsaufnahme gemacht und akribisch mit der Ersatzteilliste (blaues Buch) abgeglichen. Dabei stellte ich fest, dass fast alles bis auf ein paar Kugeln, Windschild und Gummis vorhanden war und die Arbeiten nun endlich beginnen konnten.

Schleifen, putzen und lackieren

Als erstes wurden alle Teile einer gründlichen Reinigung unterzogen, da sich in den letzten 37 Jahren doch hier allerhand Dreck und Schmiere angesammelt hatte. Diese doch sehr undankbare Aufgabe übernahm mein Vater, wo ich ihn sehr dankbar für bin.

Als zweiter Schritt standen nun die Lackteile an und es wurde beschlossen diesen Tatran im original Rot zu lackieren. Die Farbanmischung wurde in Auftrag gegeben und es standen langwierige Schleifarbeiten an.

Zum Glück waren die Blechteile in einem guten Zustand, dass man auf größere Spachtelarbeiten verzichten konnte. Da es sich bei diesem Tatran aber um einen grünen Tatran handelte, wurde empfohlen die Teile in einem Rot-Ton vorzulacken, um eventuelle Schattierungen zu vermeiden. So ganz verstanden hatte ich die Sache nicht und auch nicht den Sinn darin gesehen, aber man ist ja für jeden Tipp dankbar.

Als die Schleifarbeiten abgeschlossen waren, wurden alle Teile noch einmal akribisch gereinigt und mit einer Grundierung versehen. Wie mir nahe gelegt wurde, bekamen nun die Teile ihre erste Lackschicht in einem rotbraunen Ton. Dieser Lack wurde aus Resten von Autolacken zusammengemischt und sollte nur als Unterschicht dienen. Da dieser Farbton doch sehr angenehm war und keine Schattierungen zum Vorschein kamen, beschlossen wir, dass ein erneutes Lackieren nicht nötig ist.

Der nun bereits vorhandene angemischte Original-Lack, wird seine Anwendung bei dem zweiten Objekt (siehe Vorgeschichte) finden.

Rahmen, Trittbretter, Kniebleche und div. andere Kleinteile erhielten den Farbton „Elfenbein“.

Endlich Schrauben

Da nun Lackierarbeiten abgeschlossen waren und der Lack genug Zeit hatte zum Trocknen, ging es mit dem Zusammenbau los. Bis auf ein paar kleine Pannen gab es hier keine besonderen Vorkommnisse. Einige Schritte mussten wiederholt werden, da einfach die Reihenfolge nicht gestimmt hat. Der Motor wurde mit frischem Öl versehen und ohne weitere Arbeiten in den Tatran wieder verpflanzt, was sich später noch als großen Fehler herausstellen sollte.

Als nun alles soweit fertig war. ging es an die Elektrik. Dieses stellte sich dank eines vorliegenden Schaltplans als kein Problem dar. Als Bremslichtschalter kam ein modifizierter von der Jawa zum Einsatz.

Nach zwei Tagen Schrauben war es nun soweit und der erste Start des Motors stand auf dem Plan. Sprit rein, Schlüssel drehen und brum, brum, brum er lief. Leider aber nicht nur der Motor sondern auch das ganze Getriebeöl. Es suchte sich seinen Weg durch den Krümmer und tropfte aus allen Ecken.

Nach diesem Rückschlag machte ich erst einmal Feierabend.

Es half ja alles nichts und der Motor wurde wieder herausgebaut und die Fehlersuche konnte beginnen. Dank der einfachen Technik war dieser auch schnell gefunden.

Es handelte sich um ein Wellendichtring, der auf der Kurbelwelle sitzt und sich in alle Einzelteile zerlegt hatte. Ersatz war schnell besorgt und in diesem Zusammenhang wurde gleich ein Blick auf die Kupplungsbelege geworfen, die noch einen vernünftigen Eindruck hinterließen. Ebenso wurden neue Dichtungen geschnitten und verbaut.

Der Motor wurde eingebaut und sprang sofort wieder an. Nach ein paar kleinen Proberunden auf dem Grundstück wurden die restlichen Teile montiert und die Arbeiten für abgeschlossen erklärt.

TÜV und Zulassung

Als erstes wurde eine Anfrage an das Kraftfahrtbundesamt (KBA) gestellt, die auch schnell die benötigten Unterlagen ausgestellt haben. Der TÜVer kam höchstpersönlich vorbei und konnte keine Mängel feststellen. Somit war die größte Hürde genommen und einer Zulassung stand nichts mehr im Wege. Die Zulassungsstelle stellte einen neuen Brief aus und teilten ein schönes „Kuchenblech“ zu. Ich will auf dieses Thema gar nicht erst weiter eingehen.

Die erste Fahrt

Die erste Fahrt stand nun an und ich muss zugeben, dass ich mich schon lange darauf gefreut habe. Da mein Vertrauen in die Technik noch nicht zu 100% bestand, wurde die Fahrt mit einem Begleitfahrzeug durchgeführt, wo sich zahlreiches Werkzeug im Kofferraum befand. Die ersten 4km dienten dazu, sich an dieses doch sehr andere Fahrgefühl zu gewöhnen. Bei km-Stand 20 fing auf einmal die Kupplung an zu rutschen. Somit war die Fahrt erst einmal unterbrochen und die Kupplung wurde auf der Straße nachgestellt. Dieses stellte sich als nicht sehr effektiv da und die Heimfahrt wurde auf kürzestem Weg angetreten.

Mir war schon klar, dass die Kupplungsscheiben nun komplett hinüber waren und wieder ein Öffnen des Motors auf dem Plan stand.

Die Kupplung

Was ich zum diesen Zeitpunkt noch nicht Ahnte, dass mich dieses Thema sehr lange beschäftigen würde.

Also wurde wieder der Motor geöffnet und die Kupplungsscheiben entfernt. Dabei stellt die Demontage nicht ein so großes Problem da. Schwieriger ist die Montage der Kupplung, da sie unter Spannung steht. Es wurden Kupplungsscheiben eines anderen Tatran-Motors verbaut, der noch zur Reserve besorgt wurde. Eine Neubeschaffung von Kupplungsscheiben war zum diesen Zeitpunkt nicht möglich.

Diesmal legte ich besonders großen Augenmerk auf die korrekte Einstellung der Kupplung. Nach einer erneuten Probefahrt passierte das gleiche wie bei der ersten. Nach ca. 15km war Schluss und die Kupplungsscheiben wieder am Ende. Ich war ratlos und demotiviert. Sollte alles nur an diesen blöden Kupplungsscheiben scheitern?

Also wurde wieder der Motor geöffnet und die Kupplungsscheiben entfernt. Da mir nun kein Ersatz mehr vorlag, habe ich es mit einer Korkmatte aus dem Baumarkt versucht (Korkkupplungsbelag) und meine Kupplungsscheiben selber regeneriert. Dieses Material stellte sich aber durch seine Grobkörnigkeit nicht als sehr geeignet da und beendetet die Probefahrt wieder nach 10km.

Da ich nun doch schon sehr gute Erfahrungen mit Kupplungswechseln gemacht habe und mir benötigte Hilfsmittel zur Montage gebaut habe, ging das Wechseln ziemlich schnell. Beim nächsten Versuch kam Kork vom Weinkorken zum Einsatz. Dieses stellte sich als ideales Material heraus und ich muss sagen, ich fahre noch immer damit herum.

Fazit

Im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass die Restauration viel Spaß gemacht hat und ich gerne meinem nächsten Objekt entgegensehe.

Bericht geschrieben von Frank Köster – 2005

 

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