Vom Zweitakter zum Viertakter

Die erste große Scooter-Welle schwappte in den 60er Jahren von Italien nach Deutschland, besonders die Vespa konnte die Herzen der Nordeuropäer erobern. Es galt als schick und modern, einen italienischen Roller zu fahren. Die deutschen Hersteller wirkten gegen die Italiener etwas eingestaubter und teilweise recht bieder. Ein Stück „Bella Italia“ im Ruhrgebiet oder anderswo in der Republik konnte die Massen relativ schnell begeistern.

Die Technik, die damals zum Einsatz kam, war sehr einfach zu warten und zu reparieren, was die Kosten des Unterhalts in einem vertretbaren Rahmen hielt. Es handelte sich um Zweitakt-Motoren mit Vergaser und einem Vier-Gang-Getriebe, das direkt an der Welle saß. Die Gesamtmenge aller Bauteile war ebenfalls recht übersichtlich. Das kann man nun belächeln oder sich darüber freuen, wie einfach, für jedermann schnell erlernbar, die Vespa zu reparieren oder zu frisieren war.

Japanische Hersteller dominierten den Markt zunehmend

Die Technik blieb über Jahrzehnte nahezu identisch und niemand störte sich daran. Für den Hersteller war es perfekt, einfache Technik teuer verkauft. So macht man gute Geschäfte.

In den lukrativen Markt der Scooter stiegen im Laufe der Zeit immer mehr japanische Motorradhersteller ein, denn nicht nur in Europa, besonders in Asien war die Nachfrage riesig. In vielen asiatischen Ländern hat der Scooter immer noch einen höheren Anteil am Straßenverkehr als das Auto. Die Japaner trieben die technische Entwicklung massiv voran und es dauerte nicht lange, bis der Zweitakt-Motor gegen ein Viertakter getauscht wurde. Auch der Rest der Technik erfuhr eine ständige Weiterentwickelung. ABS, Kombi-Brakes, Keyless-Go und weitere Neuerungen gehörten mehr und mehr zum Standard eines modernen Scooters.

Dies versetzte den Traditionshersteller Vespa ein wenig in die Defensive und ihnen blieb eine ganze Weile nichts anderes übrig, als die Retro-Welle zu reiten: Käufer wurden statt mit technischen Finessen mit Bella-Italia-Folklore bei der Stange gehalten. Aktuell hat Vespa geschafft, den technischen Anschluss an die Entwicklungen aus Japan zu finden und die Verantwortlichen sehen sich auch für die Zukunft gut gerüstet.